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„Here comes the moon“. Wer denkt bei dem Titel nicht an George Harrison und „Here comes the Sun“. Eckard Koltermann dachte zunächst an „Der Mond von Wanne-Eickel“. Wenn er die Grafik mit dem roten Mond ansah, die über seinem Schreibtisch hing, kam ihm jene „Hymne“ auf seine Geburtsstadt in den Sinn. Das Bild inspirierte ihn schließlich zu einer Komposition, die jetzt zum Titelstück für das Debütalbum seines neuen Quartetts wurde. Und die Grafik findet sich auf dem Cover wieder. Der Herner Komponist und Holzbläser bezieht seine musikalischen Anregungen gern aus anderen Kunstformen. Mehr noch: Ob Dichtung, Schauspiel, Film, Tanz- oder Musiktheater - in der Regel sucht Koltermann die wechselseitige Durchdringung von Musik und Wort, Darstellung, Bewegung, Performance oder Bild.

Nach zahlreichen Kompositionen für Bühne und Leinwand, nach jahrzehntelanger Arbeit mit Großensembles (Grubenklangorchester, Collage 11 und 12, Contraband, WDR Big Band) und kleinen, kammermusikalischen Besetzungen (KoKoKo, CL4, German Clarinet Duo) überrascht er jetzt mit einem lupenreinen Jazzquartett: Blasinstrument plus Rhythmusgruppe. Wobei Bassklarinette und Baritonsaxofon als Frontinstrumente eines Akustikquartetts durchaus nicht alltäglich sind. Sie tauchen die Musik in dunkle Holzfarben und geben dem Quartett den charakteristischen Sound. Dem Bläser Koltermann erlauben sie manch kleine, augenzwinkernde Verbeugung vor Altvorderen wie Eric Dolphy oder Gerry Mulligan.

Oder vor dem Klarinettisten Rolf Kühn. Dessen Platten aus den 1960er Jahren hatte Koltermann im Ohr, als er den Opener „Pay Yourself“ schrieb. Der Titel nimmt sarkastisch die Situation von Jazzmusikern aufs Korn. Als Koltermann gerade mal anfing, Jazz zu hören, machte Kühn schon improvisierte Musik aus Europa im Mutterland des Jazz hoffähig. Mit seinem Quartett erinnert Koltermann sich seiner jazzmusikalischen Wurzeln und erdet seine nach aktuellen Kompositionsprinzipien gebaute Musik durch die rhythmische, emotionale Kraft des Jazz. Als Material braucht er keine Standards, nur einen Tribut an Charles Mingus will er sich nicht verkneifen: „Sue’s Changes“ aus den Mittsiebziger Jahren. Die strenge Form, die wechselnden Themen und Tempi lassen kaum Spielraum für eine Interpretation. Hier geht es darum, das Stück zu kennen – ein Meisterwerk in Sachen Jazzkomposition.

Zwei weitere Stücke stammen aus fremder Feder, und nur in ihnen ist Koltermann am Bariton zu hören: „Ween“ von Frans Vermeersen und „So Long Shoemaker“ von Willem van Manen, beides Weggefährten aus der holländischen Contraband. Obwohl für dieses größere Ensemble geschrieben, passen die Nummern bruchlos zum Quartettformat und zu Koltermanns eigenen Kompositionen: „Blaue“ Stimmungen im Jazz meint man zu kennen; wie „Anthrazit“ klingt, erfährt man in der gleichnamigen Ballade.

Nach den jazzigen Fremd- und Eigenkompositionen gehört ein weiteres Drittel des Albums Textvertonungen und musikalischen Assoziationen zu Gedichten, etwa des Essener Autors Herbert Somplatzki oder des Russen Daniil Charms. Auf Charms-Texte aus den zwanziger Jahren kommt Koltermann seit langem immer wieder zurück, und so ist „Am Himmel fliegen kleine Kugeln“ eine Verbeugung mehr vor diesem Vorläufer der konkreten Poesie, während der „Kakerlakenblues“ stilecht mit einer offenen Bluesform spielt.

Zum Debüt stellt Koltermann sein 2004 gegründetes Quartett als Ganzes vor, doch die wenigen Solo-Features – etwa von Drummer Achim Krämer in „Vormärz“ – lassen schon das Potenzial der einzelnen Musiker erkennen. Mit Krämer und Stevko Busch (Klavier) hat der Bandleader zwei langjährige musikalische Partner im Boot: Krämer, seit den Anfängen eine feste Größe in seinen Gruppen und Projekten, gehört für Koltermann zu den besten Drummern Europas; den Misha-Mengelberg-Schüler Busch kennt er seit langem aus der Contraband. Und mit Markus Conrads präsentiert er einen Kontrabassisten, der nach erfolgreicher Karriere als Informatiker erst unlängst sein musikalisches Coming-out hatte. Oder, wie Downbeat sagen würde: ein echtes „talent deserving wider recognition (TDWR)“. Dr. Berthold Klostermann

Eckard Koltermann Quartett
Here comes the moon
CD, Artists Own (NRW-Vertrieb) Best.Nr.: NRW 3035
Veröffentlichungsdatum 18.8.2006

Eckard Koltermann Bassklarinette, Baritonsaxofon
Stevko Busch Piano
Markus Conrads Bass
Achim Krämer Schlagzeug

1. Pay yourself (Eckard Koltermann)
2. Anthrazit (Eckard Koltermann)
3. Ween (Frans Vermeerssen)
4. Here comes the moon (Eckard Koltermann)
5. Vormärz (Eckard Koltermann)
6. Am Himmel fliegen kleine Kugeln (Eckard Koltermann)
7. So long Shoemaker (Willem van Manen)
8. Sue´s changes (Charles Mingus)
9. Kakerlakenblues (Eckard Koltermann)

CD: Here comes the moon. Band: Eckard Koltermann Quartett .
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